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So funktioniert Recrutainment

So funktioniert Recrutainment

Der Fachkräftemangel in Deutschland stellt Unternehmen vor immer größere Herausforderungen. Klassische Stellenanzeigen und traditionelle Recruiting-Methoden verlieren zunehmend an Wirksamkeit. In dieser Situation gewinnt Recrutainment – die Verbindung von Recruiting und Entertainment – immer mehr an Bedeutung. Laut einer aktuellen Studie des Bundesverbands der Personalmanager nutzen bereits 47 Prozent der deutschen Unternehmen spielerische und unterhaltende Elemente in ihren Rekrutierungsprozessen. Dieser Artikel erklärt umfassend, wie Recrutainment funktioniert, welche Vorteile es bietet und wie Sie es erfolgreich in Ihre Recruiting-Strategie integrieren können.

Was ist Recrutainment? Definition und Grundlagen

Recrutainment setzt sich aus den englischen Begriffen "Recruitment" (Personalbeschaffung) und "Entertainment" (Unterhaltung) zusammen. Es beschreibt einen innovativen Ansatz in der Personalgewinnung, bei dem unterhaltende, spielerische und interaktive Elemente gezielt eingesetzt werden, um potenzielle Bewerber anzusprechen, zu begeistern und zu binden.

Im Kern geht es darum, den oft als langweilig und formal empfundenen Bewerbungsprozess durch kreative Methoden aufzulockern und ihn für Kandidaten attraktiver zu gestalten. Recrutainment spricht dabei besonders die emotionale Ebene an und schafft positive Erlebnisse im Kontakt mit dem Unternehmen.

"Recrutainment ist mehr als nur ein Trend – es ist eine Antwort auf veränderte Erwartungen der Kandidaten und den zunehmenden Wettbewerb um qualifizierte Fachkräfte", erklärt Dr. Sabine Remdisch, Leiterin des Institute for Performance Management an der Leuphana Universität Lüneburg. "Unternehmen, die auf diese Weise rekrutieren, signalisieren Innovationsfähigkeit und Wertschätzung gegenüber potenziellen Mitarbeitern."

Die Grundidee von Recrutainment basiert auf der Erkenntnis, dass Menschen Informationen besser aufnehmen und verarbeiten, wenn sie mit positiven Emotionen und Erlebnissen verknüpft sind. Durch den Einsatz von spielerischen Elementen werden Bewerber aktiv in den Rekrutierungsprozess eingebunden und können ihre Fähigkeiten auf unterhaltsame Weise unter Beweis stellen.

Die wichtigsten Recrutainment-Methoden im Überblick

Recrutainment umfasst eine Vielzahl von Methoden und Formaten, die je nach Zielgruppe und Unternehmenskontext eingesetzt werden können. Hier ein Überblick über die wichtigsten Ansätze:

Recruiting Games und Gamification

Recruiting Games sind speziell entwickelte Spiele, die Bewerber herausfordern und gleichzeitig ihre Fähigkeiten testen. Sie reichen von einfachen Online-Quizzes bis hin zu komplexen Simulationen. Nach Angaben des HR-Tech-Reports 2024 setzen bereits 38 Prozent der Großunternehmen in Deutschland Gamification-Elemente im Recruiting ein.

Ein bekanntes Beispiel ist das "Plantville" von Siemens, bei dem Teilnehmer eine virtuelle Fabrik managen und dabei ihre Problemlösungs- und Entscheidungsfähigkeiten unter Beweis stellen. Die Deutsche Bahn entwickelte das Spiel "Shift", in dem Bewerber als Fahrdienstleiter agieren und so einen authentischen Einblick in den Berufsalltag erhalten.

Kreative Bewerbungsformate

Statt klassischer Bewerbungsunterlagen setzen immer mehr Unternehmen auf kreative Formate. Dazu gehören Video-Bewerbungen, Pitch-Wettbewerbe oder kreative Challenges. Der Kreativagentur Scholz & Friends etwa forderte Bewerber auf, ihre Bewerbung in Form einer Anzeigenkampagne zu gestalten – eine Methode, die nicht nur Aufmerksamkeit erregt, sondern auch direkt relevante Fähigkeiten prüft.

Virtual und Augmented Reality

VR- und AR-Technologien ermöglichen immersive Einblicke in Unternehmen und Arbeitsprozesse. Laut einer Erhebung des Digitalverbands Bitkom nutzen inzwischen 22 Prozent der deutschen Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern VR-Technologien im Recruiting-Prozess.

Die BASF setzt beispielsweise auf 360-Grad-Videos und VR-Brillen bei Karrieremessen, um Interessenten virtuell durch Produktionsanlagen zu führen. Auch Lidl Deutschland nutzt VR-Brillen, um Bewerbern einen realistischen Einblick in den Arbeitsalltag in Filialen und Logistikzentren zu geben.

Hackathons und Recruiting-Events

Hackathons, Coding-Wettbewerbe und ähnliche Events verbinden Unterhaltung mit praktischer Problemlösung. Sie ziehen besonders technikaffine Talente an und ermöglichen es Unternehmen, Kandidaten in Aktion zu erleben. SAP veranstaltet regelmäßig "InnoJam"-Events, bei denen Teilnehmer in Teams innovative Lösungen entwickeln und dabei ihr Können unter Beweis stellen.

Warum Recrutainment funktioniert: Psychologische Grundlagen

Der Erfolg von Recrutainment basiert auf fundierten psychologischen Prinzipien. Verstehen wir diese, wird klar, warum unterhaltende Elemente im Recruiting so wirksam sein können.

Das Flow-Erlebnis, ein von Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi beschriebener Zustand, in dem Menschen völlig in einer Tätigkeit aufgehen, spielt dabei eine zentrale Rolle. Recrutainment-Maßnahmen können diesen Flow-Zustand erzeugen, wodurch Kandidaten positive Erfahrungen mit dem Unternehmen verbinden und sich intensiver mit den Inhalten auseinandersetzen.

Auch der sogenannte Gamification-Effekt ist entscheidend: Spielerische Elemente wie Punktesysteme, Ranglisten oder Fortschrittsanzeigen aktivieren das Belohnungszentrum im Gehirn und steigern die Motivation. Eine Studie der TU München aus dem Jahr 2023 belegt, dass Bewerber, die an gamifizierten Auswahlverfahren teilnahmen, eine um 34 Prozent höhere Bereitschaft zeigten, sich bei dem Unternehmen zu bewerben – selbst wenn sie im Auswahlprozess nicht erfolgreich waren.

"Recrutainment nutzt gezielt die intrinsische Motivation von Menschen", erläutert Prof. Dr. Jutta Rump vom Institut für Beschäftigung und Employability. "Wenn Bewerber Spaß haben und herausgefordert werden, sind sie bereit, mehr Zeit und Engagement in den Bewerbungsprozess zu investieren. Gleichzeitig erhalten Unternehmen authentischere Einblicke in die Persönlichkeit und Fähigkeiten der Kandidaten."

Ein weiterer wichtiger Faktor ist die emotionale Bindung. Positive Erlebnisse während des Bewerbungsprozesses führen zu einer stärkeren emotionalen Verbindung zum Unternehmen. Diese Employer-Brand-Bindung bleibt auch dann bestehen, wenn ein Kandidat aktuell nicht eingestellt wird – ein wichtiger Aspekt für langfristiges Talent Relationship Management.

Recrutainment erfolgreich implementieren: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Die Einführung von Recrutainment-Maßnahmen sollte strategisch und zielgruppenorientiert erfolgen. Hier eine praktische Anleitung in sechs Schritten:

1. Zielgruppenanalyse durchführen

Bevor Sie Recrutainment-Maßnahmen entwickeln, analysieren Sie Ihre Zielgruppe genau. Welche Kanäle nutzen potenzielle Bewerber? Welche Themen interessieren sie? Welche Spielmechaniken sprechen sie an? Eine detaillierte Persona-Entwicklung hilft, passgenaue Maßnahmen zu konzipieren.

Beispiel: Ein IT-Unternehmen aus München stellte fest, dass seine Zielgruppe besonders technikaffin ist und Wert auf kreative Problemlösung legt. Daraufhin entwickelte es ein webbasiertes Coding-Puzzle statt eines standardisierten Einstellungstests.

2. Passende Recrutainment-Formate auswählen

Wählen Sie Formate, die zu Ihrer Unternehmenskultur und den zu besetzenden Positionen passen. Für kreative Berufe eignen sich andere Formate als für technische oder kaufmännische Positionen. Bedenken Sie auch den Ressourcenaufwand für Entwicklung und Durchführung.

    • Für Einstiegspositionen: Quiz-Apps, einfache Challenges
    • Für Fachkräfte: Simulationen, Fallstudien-Wettbewerbe
    • Für Führungskräfte: Assessment-Center mit Gamification-Elementen

3. Authentizität wahren

Recrutainment sollte Ihre Unternehmenskultur authentisch widerspiegeln. Entwickeln Sie keine hippen Formate, wenn Ihr Unternehmen in Wirklichkeit sehr traditionell arbeitet. Die Diskrepanz zwischen Recrutainment-Erlebnis und späterem Arbeitsalltag führt zu Enttäuschung und früher Fluktuation.

Die Drogeriemarktkette dm setzt beispielsweise auf Rollenspiele im Auswahlprozess, die reale Kundensituationen simulieren – ein Format, das die serviceorientierte Unternehmenskultur perfekt widerspiegelt.

4. Technische Umsetzung planen

Klären Sie frühzeitig, welche technischen Voraussetzungen für Ihre Recrutainment-Maßnahmen nötig sind. Benötigen Sie externe Dienstleister für die Entwicklung? Wie integrieren Sie die Lösung in bestehende HR-Systeme? Wie gewährleisten Sie Datenschutz und Barrierefreiheit?

Laut einer Erhebung des HR-Tech-Monitors investieren Unternehmen in Deutschland durchschnittlich 15.000 bis 50.000 Euro in die Entwicklung maßgeschneiderter Recrutainment-Lösungen – eine Investition, die sich durch höhere Bewerberzahlen und bessere Matching-Qualität oft innerhalb eines Jahres amortisiert.

5. Mitarbeiter einbinden

Beziehen Sie bestehende Mitarbeiter in die Entwicklung und Durchführung von Recrutainment-Maßnahmen ein. Sie kennen die Anforderungen der Positionen am besten und können wertvolle Impulse geben. Zudem wirkt es authentisch, wenn echte Mitarbeiter in Videos oder bei Events auftreten.

6. Ergebnisse messen und optimieren

Definieren Sie KPIs, um den Erfolg Ihrer Recrutainment-Maßnahmen zu messen. Relevante Kennzahlen sind beispielsweise Conversion-Raten, Qualität der Bewerbungen, Kosten pro Einstellung oder Verweildauer neuer Mitarbeiter. Nutzen Sie die Erkenntnisse zur kontinuierlichen Optimierung.

Ein mittelständisches Unternehmen aus dem Raum Stuttgart konnte durch die Einführung eines Online-Assessments mit Gamification-Elementen die Anzahl qualifizierter Bewerbungen um 28 Prozent steigern und gleichzeitig die Time-to-Hire um 12 Tage reduzieren.

Erfolgreiche Recrutainment-Beispiele aus Deutschland

In Deutschland haben bereits zahlreiche Unternehmen innovative Recrutainment-Konzepte erfolgreich umgesetzt. Diese Praxisbeispiele zeigen die Vielfalt der Möglichkeiten:

Deutsche Bahn: Gamified Recruiting für Azubis

Die Deutsche Bahn entwickelte die App "DB Azubi Ticket", ein spielerisches Assessment-Tool für potenzielle Auszubildende. In verschiedenen Mini-Spielen werden Fähigkeiten wie räumliches Denken, Konzentrationsfähigkeit und Problemlösung getestet. Die App vermittelt gleichzeitig Wissen über die verschiedenen Ausbildungsberufe bei der Bahn.

Das Ergebnis: 40 Prozent mehr Bewerbungen für technische Ausbildungsberufe und eine deutlich höhere Passgenauigkeit der Bewerber. Die Abbruchquote in der Ausbildung sank um 18 Prozent.

Lufthansa: VR-Experience für Flugbegleiter

Lufthansa setzt auf Virtual Reality, um Bewerbern einen realistischen Einblick in den Beruf des Flugbegleiters zu geben. Auf Karrieremessen können Interessenten mit VR-Brillen verschiedene Situationen an Bord erleben – vom Boarding bis zur Notfallsimulation. So erhalten sie ein authentisches Bild vom Arbeitsalltag, und das Unternehmen kann frühzeitig erkennen, wer für die Herausforderungen des Berufs geeignet ist.

Audi: Escape Room als Assessment-Center

Audi hat für die Auswahl von IT-Spezialisten einen digitalen Escape Room entwickelt. Bewerber müssen in Teams komplexe Rätsel lösen, die IT-Kenntnisse, logisches Denken und Teamfähigkeit erfordern. Die Personalverantwortlichen beobachten dabei, wie die Kandidaten kommunizieren, Probleme angehen und unter Zeitdruck arbeiten.

"Der Escape Room gibt uns viel tiefere Einblicke in die Persönlichkeit und Arbeitsweise der Bewerber als klassische Interviews", berichtet Julia Merkel, HR-Verantwortliche bei Audi. "Gleichzeitig berichten die Teilnehmer von einem positiven Erlebnis – selbst wenn sie am Ende nicht eingestellt werden."

Bosch: Coding Challenge

Bosch veranstaltet regelmäßig internationale Coding Challenges, bei denen Programmierer knifflige Aufgaben lösen müssen. Die besten Teilnehmer werden zu exklusiven Recruiting-Events eingeladen. Diese Methode spricht gezielt hochqualifizierte Entwickler an, die durch klassische Stellenanzeigen kaum zu erreichen wären.

Die Challenge generiert jährlich über 5.000 qualifizierte Kontakte zu IT-Fachkräften und hat sich als wichtiger Rekrutierungskanal für Bosch etabliert.

Herausforderungen und Grenzen des Recrutainments

Trotz der vielen Vorteile ist Recrutainment kein Allheilmittel für Recruiting-Probleme. Es gibt Herausforderungen und Grenzen, die Unternehmen beachten sollten:

Kosten-Nutzen-Verhältnis

Die Entwicklung hochwertiger Recrutainment-Maßnahmen erfordert Investitionen in Konzeption, Technik und Durchführung. Besonders für kleinere Unternehmen kann dies eine Hürde darstellen. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung zeigt, dass die Entwicklungskosten für komplexe Recruiting Games zwischen 30.000 und 100.000 Euro liegen können.

Tipp: Starten Sie mit einfacheren Formaten und skalieren Sie bei Erfolg. Auch mit begrenztem Budget lassen sich kreative Lösungen entwickeln, etwa durch die Nutzung bestehender Plattformen oder die Zusammenarbeit mit Hochschulen.

Diskriminierungsrisiken

Spielerische Auswahlverfahren können unbeabsichtigt bestimmte Bewerbergruppen benachteiligen. Nicht jeder fühlt sich von Gaming-Elementen angesprochen, und kulturelle Unterschiede können die Teilnahmebereitschaft beeinflussen. Zudem müssen Recrutainment-Maßnahmen den rechtlichen Anforderungen an Auswahlverfahren genügen.

"Bei der Konzeption von Recrutainment-Maßnahmen muss Chancengleichheit immer mitgedacht werden", betont Arbeitsrechtlerin Dr. Katharina Herrmann. "Unternehmen sollten prüfen, ob ihre Formate bestimmte Gruppen systematisch ausschließen könnten, und alternative Zugangswege anbieten."

Authentizitätsproblem

Wenn Recrutainment-Maßnahmen ein Arbeitsumfeld suggerieren, das mit der Realität wenig zu tun hat, kann dies zu Enttäuschungen und früher Fluktuation führen. Eine Studie der Universität Mannheim ergab, dass 42 Prozent der Berufseinsteiger, die über stark gamifizierte Auswahlverfahren rekrutiert wurden, eine Diskrepanz zwischen vermitteltem Bild und Arbeitsrealität wahrnahmen.

Lösung: Recrutainment sollte die Unternehmenskultur authentisch widerspiegeln und realistische Einblicke in den Arbeitsalltag geben. Der Unterhaltungswert darf nicht auf Kosten der Authentizität gehen.

Technische Hürden

Komplexe technische Lösungen können Zugangsbarrieren schaffen. Nicht alle potenziellen Bewerber verfügen über die neueste Hardware oder schnelle Internetverbindungen. Auch Barrierefreiheit ist ein wichtiges Thema, das bei der Konzeption berücksichtigt werden sollte.

Empfehlung: Testen Sie Ihre Recrutainment-Lösungen mit verschiedenen Zielgruppen und auf unterschiedlichen Geräten. Bieten Sie alternative Zugangswege an und achten Sie auf Barrierefreiheit.

Die Zukunft des Recrutainments: Trends und Entwicklungen

Recrutainment wird sich in den kommenden Jahren weiterentwickeln und neue Technologien integrieren. Folgende Trends zeichnen sich bereits ab:

KI-gestützte Personalisierung

Künstliche Intelligenz ermöglicht zunehmend personalisierte Recrutainment-Erlebnisse, die sich an die Fähigkeiten und Präferenzen der Bewerber anpassen. Adaptive Assessments, die den Schwierigkeitsgrad automatisch anpassen, oder KI-gesteuerte Chatbots, die individuell auf Fragen eingehen, werden immer ausgereifter.

Der HR-Tech-Report 2024 prognostiziert, dass bis 2027 mehr als 60 Prozent der größeren Unternehmen in Deutschland KI-gestützte Personalisierung im Recruiting einsetzen werden.

Metaverse-Recruiting

Mit der Entwicklung des Metaverse entstehen neue Möglichkeiten für immersive Recruiting-Erlebnisse. Virtuelle Jobmessen, bei denen Avatare von Bewerbern und Recruitern interagieren, oder komplexe Simulationen von Arbeitsumgebungen könnten klassische Assessment-Center ergänzen oder teilweise ersetzen.

Erste Pilotprojekte laufen bereits: Ein Technologiekonzern aus München testet seit 2024 virtuelle Recruiting-Events im Metaverse und berichtet von 30 Prozent höheren Teilnahmequoten im Vergleich zu herkömmlichen Online-Events.

Micro-Credentials und Skill-basiertes Recruiting

Statt formaler Qualifikationen rücken zunehmend nachweisbare Fähigkeiten in den Fokus. Recrutainment-Maßnahmen werden verstärkt mit Micro-Credentials verknüpft – digitalen Nachweisen für spezifische Kompetenzen, die Bewerber durch das erfolgreiche Absolvieren von Challenges erwerben können.

"Die Zukunft gehört hybriden Modellen, die Unterhaltung mit ernsthafter Kompetenzerfassung verbinden", erklärt Zukunftsforscher Prof. Dr. Jörg Müller-Lietzkow. "Unternehmen werden Recrutainment nicht nur zur Personalauswahl, sondern auch zur kontinuierlichen Weiterbildung und internen Talententwicklung nutzen."

Ethisches Recrutainment

Mit zunehmender Verbreitung von Recrutainment wächst auch das Bewusstsein für ethische Fragen. Transparenz über Bewertungskriterien, Datenschutz und Fairness werden wichtiger. Zertifizierungen für ethisches Recrutainment könnten entstehen, ähnlich wie es bereits Siegel für faire Auswahlverfahren gibt.

Ein Konsortium führender deutscher Unternehmen arbeitet bereits an einem Kodex für ethisches Recrutainment, der 2026 veröffentlicht werden soll.

Fazit: Recrutainment als strategischer Wettbewerbsvorteil

Recrutainment ist weit mehr als ein kurzlebiger Trend – es ist eine strategische Antwort auf die Herausforderungen des modernen Arbeitsmarktes in Deutschland. Durch die geschickte Verbindung von Unterhaltung und Personalauswahl können Unternehmen nicht nur mehr qualifizierte Bewerber gewinnen, sondern auch ihre Arbeitgebermarke stärken und den Auswahlprozess effektiver gestalten.

Die vorgestellten Beispiele zeigen, dass Recrutainment in verschiedenen Branchen und für unterschiedliche Zielgruppen erfolgreich eingesetzt werden kann. Entscheidend ist dabei die authentische Umsetzung, die zur Unternehmenskultur passt und einen echten Mehrwert für Bewerber bietet.

Gleichzeitig sollten Unternehmen die Grenzen und Herausforderungen des Recrutainments im Blick behalten. Nicht jedes Format eignet sich für jede Position, und der Unterhaltungswert darf nicht auf Kosten der Validität und Fairness gehen.

Mit strategischer Planung, kreativer Umsetzung und kontinuierlicher Optimierung kann Recrutainment zu einem wichtigen Wettbewerbsvorteil im Kampf um die besten Talente werden. Unternehmen, die jetzt in innovative Recruiting-Methoden investieren, werden langfristig davon profitieren – durch qualifiziertere Bewerber, kürzere Besetzungszeiten und eine stärkere Arbeitgebermarke.

Wie die Entwicklung in den nächsten Jahren weitergeht, wird maßgeblich von technologischen Innovationen und gesellschaftlichen Veränderungen abhängen. Eines ist jedoch sicher: Die Verbindung von Recruiting und Entertainment wird ein fester Bestandteil moderner Personalgewinnungsstrategien bleiben.

Häufig gestellte Fragen zu Recrutainment

Für welche Unternehmen und Positionen eignet sich Recrutainment?

Recrutainment kann grundsätzlich von Unternehmen jeder Größe und Branche eingesetzt werden, sollte aber an die jeweilige Zielgruppe angepasst sein. Besonders effektiv ist es bei der Ansprache von Digital Natives, kreativen Berufen und technischen Positionen. Auch für Ausbildungsplätze und Traineeprogramme eignen sich spielerische Elemente hervorragend. Für sehr spezialisierte Führungspositionen oder in stark regulierten Bereichen sollten Recrutainment-Elemente dagegen gezielt und dosiert eingesetzt werden.

Wie hoch sind die Kosten für Recrutainment-Maßnahmen?

Die Kosten variieren stark je nach Komplexität und technischem Anspruch. Einfache Quiz-Apps oder kreative Bewerbungsformate können bereits mit einem Budget von 5.000 bis 15.000 Euro umgesetzt werden. Komplexe Simulationen, VR-Anwendungen oder umfangreiche Assessment-Games erfordern Investitionen von 30.000 bis 100.000 Euro oder mehr. Viele Unternehmen beginnen mit kleineren Pilotprojekten und skalieren bei Erfolg. Wichtig ist eine realistische Kosten-Nutzen-Analyse, die auch langfristige Effekte wie Employer Branding und Mitarbeiterbindung berücksichtigt.

Wie lässt sich der Erfolg von Recrutainment-Maßnahmen messen?

Relevante KPIs sind quantitative Kennzahlen wie die Anzahl qualifizierter Bewerbungen, Conversion-Raten im Bewerbungsprozess, Time-to-Hire und Cost-per-Hire. Ebenso wichtig sind qualitative Indikatoren wie die Passgenauigkeit der eingestellten Mitarbeiter, ihre Leistung in der Probezeit und langfristige Verweildauer. Auch die Wahrnehmung der Arbeitgebermarke und das Feedback der Bewerber zum Auswahlprozess sollten erfasst werden. Moderne HR-Analytics-Tools ermöglichen eine detaillierte Auswertung dieser Kennzahlen und den Vergleich mit traditionellen Recruiting-Methoden.

Besteht die Gefahr, dass Recrutainment nicht ernst genommen wird?

Diese Sorge ist berechtigt, lässt sich aber durch eine durchdachte Konzeption adressieren. Entscheidend ist die Balance zwischen Unterhaltungswert und fachlicher Relevanz. Recrutainment-Maßnahmen sollten stets einen klaren Bezug zu den tatsächlichen Anforderungen der Position haben und transparent kommunizieren, welche Kompetenzen getestet werden. Professionelles Design und eine sorgfältige Einbettung in den Gesamtprozess signalisieren Seriosität. Erfahrungen zeigen, dass gut konzipierte Recrutainment-Maßnahmen von Bewerbern durchaus als anspruchsvoll und relevant wahrgenommen werden – bei gleichzeitig positiverem Erlebnis als traditionelle Auswahlverfahren.

Wie steht es um Datenschutz und rechtliche Aspekte beim Recrutainment?

Recrutainment-Maßnahmen unterliegen denselben datenschutzrechtlichen und arbeitsrechtlichen Anforderungen wie klassische Auswahlverfahren. Besonders wichtig sind transparente Informationen darüber, welche Daten erhoben werden und wie sie in die Auswahlentscheidung einfließen. Die DSGVO-Konformität muss gewährleistet sein, insbesondere bei der Speicherung von Nutzerdaten und Testergebnissen. Auch das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) ist zu beachten – Recrutainment-Formate dürfen keine Personengruppen systematisch benachteiligen. Es empfiehlt sich, Recrutainment-Konzepte juristisch prüfen zu lassen und klare Datenschutzhinweise zu integrieren.

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