In einer Zeit, in der der Kampf um qualifizierte Fachkräfte in Deutschland immer intensiver wird, müssen Unternehmen innovative Wege finden, um potenzielle Bewerber anzusprechen. Recruiting Videos haben sich dabei als besonders effektives Instrument erwiesen. Sie vermitteln authentische Einblicke in die Unternehmenskultur, sprechen Kandidaten emotional an und steigern die Reichweite von Stellenanzeigen erheblich. Laut einer Studie von LinkedIn erhöhen Videos die Bewerbungsrate um durchschnittlich 34% – ein Potenzial, das kein Unternehmen ignorieren sollte.
Doch wie erstellt man Recruiting Videos, die wirklich überzeugen und die richtigen Talente ansprechen? Welche Strategien funktionieren in Deutschland besonders gut? In diesem umfassenden Leitfaden erfahren Sie alles, was Sie für die erfolgreiche Produktion und Implementierung von Recruiting Videos wissen müssen – von der Konzeption über die technische Umsetzung bis hin zur optimalen Verbreitung.
Warum Recruiting Videos unverzichtbar geworden sind
Der Arbeitsmarkt in Deutschland hat sich grundlegend gewandelt. Aus dem Arbeitgebermarkt wurde ein Bewerbermarkt, in dem Unternehmen aktiv um die besten Talente werben müssen. Besonders deutlich wird dies durch aktuelle Zahlen: Nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) fehlen in Deutschland bereits über 400.000 Fachkräfte, Tendenz steigend.
In diesem Umfeld reichen klassische Stellenanzeigen längst nicht mehr aus. "Bewerber wollen heute mehr über potenzielle Arbeitgeber erfahren als nur die Stellenbeschreibung und das Gehalt", erklärt Dr. Michaela Weber, Personalexpertin bei der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände. "Sie möchten wissen, wie es sich anfühlt, dort zu arbeiten – und genau diese emotionale Komponente können Videos vermitteln."
Die Zahlen sprechen für sich: Laut einer Studie von Bitkom konsumieren 72% der 18- bis 29-Jährigen in Deutschland täglich Online-Videos. Gleichzeitig steigt die durchschnittliche Verweildauer bei Videoinhalten kontinuierlich an. Unternehmen, die diese Entwicklung für ihr Recruiting nutzen, verzeichnen beeindruckende Erfolge:
- Videos in Stellenanzeigen erhöhen die Klickrate um bis zu 53% (Quelle: CareerBuilder)
- Bewerber behalten 95% einer Botschaft, wenn sie sie per Video konsumieren, im Vergleich zu nur 10% bei reinem Text (Quelle: Insivia)
- Stellenanzeigen mit Videos werden 12-mal häufiger geteilt als reine Textanzeigen (Quelle: Recruiting Trends 2024)
Diese Zahlen unterstreichen: Wer im Recruiting erfolgreich sein will, kommt an Videos nicht mehr vorbei. Besonders in Deutschland, wo der Fachkräftemangel in vielen Branchen besonders ausgeprägt ist, bieten Recruiting Videos die Chance, aus der Masse der Stellenangebote herauszustechen.
Die verschiedenen Arten von Recruiting Videos im Überblick
Nicht jedes Recruiting Video ist gleich. Je nach Zielsetzung, Zielgruppe und verfügbaren Ressourcen eignen sich unterschiedliche Formate. Hier ein Überblick über die wichtigsten Arten von Recruiting Videos, die in Deutschland erfolgreich eingesetzt werden:
Employer Branding Videos
Diese Videos stellen die Unternehmenskultur, Werte und das Arbeitsumfeld in den Mittelpunkt. Sie sind nicht auf eine spezifische Stelle ausgerichtet, sondern vermitteln ein Gesamtbild des Unternehmens als Arbeitgeber. Typischerweise werden hier Mitarbeiter aus verschiedenen Abteilungen interviewt, Einblicke in den Arbeitsalltag gegeben und die Besonderheiten des Unternehmens hervorgehoben.
Ein hervorragendes Beispiel liefert die Techniker Krankenkasse mit ihrem "Wir sind TK"-Video, das authentische Einblicke in verschiedene Arbeitsbereiche gibt und dabei die Werte des Unternehmens transportiert, ohne dabei künstlich zu wirken.
Job-spezifische Recruiting Videos
Diese Videos fokussieren sich auf eine konkrete Stelle oder einen bestimmten Bereich im Unternehmen. Sie erklären detailliert die Aufgaben, Anforderungen und Entwicklungsmöglichkeiten. Besonders effektiv sind diese Videos, wenn aktuelle Stelleninhaber zu Wort kommen und aus ihrem Arbeitsalltag berichten.
Die Deutsche Bahn nutzt dieses Format sehr erfolgreich, indem sie Lokführer, Zugbegleiter oder IT-Spezialisten ihre Tätigkeiten vorstellen lässt und dabei gezielt auf die Vorteile und Herausforderungen der jeweiligen Position eingeht.
Day-in-the-Life-Videos
Diese Videos begleiten einen Mitarbeiter durch seinen typischen Arbeitstag. Sie geben authentische Einblicke in den Arbeitsalltag und vermitteln ein realistisches Bild der Position. Besonders bei jüngeren Bewerbern sind diese Formate beliebt, da sie ungeschönte Einblicke versprechen.
Siemens hat mit seiner Serie "A Day with..." großen Erfolg, indem verschiedene Mitarbeiter durch ihren Arbeitstag begleitet werden – von der Morgenbesprechung bis zum Feierabend.
Mitarbeiter-Testimonials
Hier stehen persönliche Geschichten und Erfahrungen von Mitarbeitern im Vordergrund. Diese Videos wirken besonders authentisch und vertrauenswürdig, da sie aus der Perspektive realer Mitarbeiter erzählt werden. Sie eignen sich hervorragend, um die Unternehmenskultur zu vermitteln.
BASF setzt auf kurze, prägnante Testimonials verschiedener Mitarbeiter, die ihre persönliche Entwicklung im Unternehmen schildern und dabei unterschiedliche Karrierewege aufzeigen.
Unternehmensführungen (Office Tours)
Diese Videos nehmen potenzielle Bewerber mit auf einen virtuellen Rundgang durch die Büroräume oder Produktionsstätten. Sie vermitteln einen Eindruck vom Arbeitsumfeld und der Atmosphäre vor Ort.
Google Deutschland bietet beispielsweise beeindruckende Office-Tour-Videos, die die moderne Arbeitsumgebung mit allen Annehmlichkeiten zeigen und damit besonders technikaffine Talente ansprechen.
Erklärvideos zum Bewerbungsprozess
Diese Videos erläutern den Bewerbungsprozess Schritt für Schritt und geben Tipps für eine erfolgreiche Bewerbung. Sie reduzieren Unsicherheiten bei Bewerbern und erhöhen die Qualität der eingehenden Bewerbungen.
Die Allianz nutzt dieses Format, um Bewerber durch den mehrstufigen Auswahlprozess zu führen und dabei Transparenz zu schaffen, was sie in jedem Schritt erwartet.
Die Planung: Das Fundament erfolgreicher Recruiting Videos
Bevor die Kamera läuft, steht die gründliche Planung. Dieser Schritt entscheidet maßgeblich über den Erfolg Ihres Recruiting Videos. Hier die wichtigsten Aspekte, die Sie in der Planungsphase berücksichtigen sollten:
Zielgruppenanalyse
Definieren Sie präzise, wen Sie mit Ihrem Video ansprechen möchten. Handelt es sich um junge Berufseinsteiger, erfahrene Fachkräfte oder Führungskräfte? Je nach Zielgruppe unterscheiden sich Tonalität, Plattformwahl und inhaltliche Schwerpunkte erheblich.
Ein Beispiel: Während für die Generation Z kurze, dynamische Videos auf TikTok oder Instagram funktionieren, erreichen Sie erfahrene Fachkräfte besser mit informativeren Formaten auf LinkedIn oder XING. In Deutschland zeigen Studien zudem regionale Unterschiede: Während in Großstädten wie Berlin oder München ein internationaler, lockerer Stil gut ankommt, bevorzugen Bewerber in kleineren Städten oft einen bodenständigeren Ansatz.
Zielsetzung definieren
Was genau soll Ihr Video erreichen? Mögliche Ziele könnten sein:
- Steigerung der Bewerberzahlen für eine bestimmte Position
- Verbesserung des Employer Brandings
- Erhöhung der Bekanntheit als Arbeitgeber in einer bestimmten Region
- Ansprache einer neuen Zielgruppe (z.B. internationale Fachkräfte)
"Ein häufiger Fehler ist, dass Unternehmen zu viele Ziele gleichzeitig verfolgen", warnt Videoproducer Thomas Müller von der Recruiting-Agentur TalentMedia. "Besser ist es, sich auf ein Hauptziel zu konzentrieren und das Video darauf auszurichten."
Botschaft und Storytelling
Entwickeln Sie eine klare Kernbotschaft und eine überzeugende Geschichte. Menschen merken sich Geschichten besser als Fakten. Eine gute Story folgt meist diesem Muster:
- Aufmerksamkeit wecken (Hook)
- Problem oder Herausforderung darstellen
- Lösung präsentieren (Ihr Unternehmen als attraktiver Arbeitgeber)
- Handlungsaufforderung (Call-to-Action)
Die Drogeriemarktkette dm macht dies vorbildlich: In ihren Recruiting Videos stellen sie zunächst die Herausforderungen des Einzelhandels dar, zeigen dann, wie dm diese durch besondere Teamkultur und Entwicklungsmöglichkeiten meistert, und schließen mit einer klaren Aufforderung zur Bewerbung.
Budget- und Ressourcenplanung
Die Kosten für Recruiting Videos können je nach Umfang und Qualität stark variieren. In Deutschland bewegen sich die Preise für professionelle Produktionen zwischen 3.000 und 15.000 Euro pro Video. Berücksichtigen Sie bei Ihrer Planung:
- Externe Dienstleister (Videoproduktion, Regie, Schnitt)
- Equipment (Kameras, Beleuchtung, Ton)
- Interne Ressourcen (Arbeitszeit der beteiligten Mitarbeiter)
- Postproduktion (Schnitt, Grafiken, Musik, Übersetzungen)
- Verbreitung (Werbebudget für Social Media)
Auch mit kleinerem Budget lassen sich wirkungsvolle Videos erstellen. "Authentizität schlägt Hochglanz", betont HR-Expertin Julia Schmidt. "Ein ehrliches Video mit dem Smartphone gedreht kann unter Umständen besser funktionieren als eine sterile Hochglanzproduktion."
Drehbuch und Storyboard
Erstellen Sie ein detailliertes Drehbuch und idealerweise ein Storyboard. Dies hilft allen Beteiligten, eine klare Vorstellung vom Endprodukt zu bekommen und spart Zeit am Drehtag. Achten Sie dabei auf:
- Klare Szenenabfolge
- Realistische Zeitplanung
- Sprechrollen und Dialoge
- Benötigte Drehorte und Requisiten
Ein gutes Drehbuch lässt trotz klarer Struktur Raum für Spontaneität. Besonders bei Mitarbeiterinterviews sollten die Fragen zwar vorbereitet sein, die Antworten jedoch nicht zu stark vorgegeben werden, um Authentizität zu wahren.
Die Produktion: So entstehen professionelle Recruiting Videos
Nach der gründlichen Planung folgt die eigentliche Produktion. Hier entscheidet sich, ob aus der guten Idee auch ein überzeugendes Video wird. Diese Aspekte sind dabei besonders wichtig:
Die richtige Technik wählen
Die technische Qualität Ihres Videos beeinflusst maßgeblich, wie professionell Ihr Unternehmen wahrgenommen wird. Dabei gilt: Die Technik sollte dem Zweck angemessen sein. Für ein authentisches Day-in-the-Life-Video kann ein hochwertiges Smartphone ausreichen, während ein repräsentatives Employer-Branding-Video professionelles Equipment erfordert.
Grundausstattung für qualitativ hochwertige Videos:
- Kamera: Eine DSLR oder spiegellose Systemkamera bietet gute Bildqualität zu vertretbaren Kosten
- Ton: Ein externes Mikrofon ist unverzichtbar – schlechter Ton ruiniert jedes noch so gut gefilmte Video
- Licht: Mindestens ein Aufheller oder LED-Panel für gleichmäßige Ausleuchtung
- Stativ: Für ruhige, professionelle Aufnahmen
"Der Ton wird oft unterschätzt", betont Videoproducer Jan Berger. "Bewerber verzeihen eher ein leicht unscharfes Bild als unverständliche Sprache. Ein Ansteckmikrofon für Interviews ist daher eine lohnende Investition."
Die richtigen Protagonisten finden
Wer vor der Kamera steht, prägt maßgeblich den Eindruck, den potenzielle Bewerber von Ihrem Unternehmen gewinnen. Dabei gilt: Authentizität geht vor Perfektion. Echte Mitarbeiter, die mit Überzeugung von ihrer Arbeit berichten, wirken glaubwürdiger als professionelle Sprecher.
Tipps für die Auswahl der Protagonisten:
- Wählen Sie Mitarbeiter, die ihre Begeisterung natürlich ausdrücken können
- Achten Sie auf Diversität – verschiedene Altersgruppen, Geschlechter und kulturelle Hintergründe spiegeln ein modernes Unternehmen wider
- Beziehen Sie Mitarbeiter ein, die der Zielgruppe ähnlich sind
- Bereiten Sie die Protagonisten gut vor, ohne ihnen zu viel vorzugeben
Die Otto Group macht dies vorbildlich: In ihren Recruiting Videos kommen Mitarbeiter verschiedener Abteilungen, Altersgruppen und Hierarchieebenen zu Wort, was ein vielfältiges und authentisches Bild vermittelt.
Drehtag optimal gestalten
Ein gut organisierter Drehtag spart Zeit, Nerven und Kosten. Diese Aspekte sollten Sie beachten:
- Erstellen Sie einen detaillierten Zeitplan mit Pufferzeiten
- Informieren Sie alle Beteiligten rechtzeitig und umfassend
- Besichtigen Sie die Drehorte vorab und klären Sie praktische Fragen (Stromversorgung, Lärmpegel, Lichtverhältnisse)
- Sorgen Sie für Verpflegung und Getränke
- Halten Sie Ersatzbatterien, Speicherkarten und technisches Zubehör bereit
"Ein entspannter Dreh führt zu natürlicheren Ergebnissen", erklärt Regisseurin Claudia Becker. "Nehmen Sie sich Zeit für Proben und mehrere Takes. Oft sind die späteren Aufnahmen die besten, weil die Protagonisten dann lockerer sind."
Rechtliche Aspekte beachten
In Deutschland sind die rechtlichen Anforderungen an Videoproduktionen besonders streng. Vernachlässigen Sie diesen Aspekt nicht, um teure Abmahnungen zu vermeiden:
- Lassen Sie alle Mitwirkenden eine Einverständniserklärung (Model Release) unterschreiben
- Klären Sie Musikrechte – nutzen Sie GEMA-freie Musik oder erwerben Sie entsprechende Lizenzen
- Achten Sie auf Markenrechte – keine fremden Logos im Hintergrund
- Beachten Sie bei Außenaufnahmen das Recht am eigenen Bild von Passanten
- Prüfen Sie bei Drohnenaufnahmen die lokalen Vorschriften
Besonders wichtig: Die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) stellt hohe Anforderungen an die Einwilligung der Protagonisten. Diese muss freiwillig, informiert und zweckgebunden sein. Informieren Sie die Mitwirkenden genau, wo und wie lange das Video eingesetzt wird.
Die Postproduktion: Aus Rohmaterial wird ein überzeugendes Video
Nach dem Dreh beginnt die Postproduktion – hier entsteht aus dem Rohmaterial das fertige Recruiting Video. Diese Phase entscheidet maßgeblich über die Qualität und Wirkung des Endprodukts.
Schnitt und Montage
Der Schnitt bestimmt den Rhythmus und die Dramaturgie Ihres Videos. In der heutigen schnelllebigen Medienwelt gilt: Kürzer ist oft besser. Studien zeigen, dass die optimale Länge für Recruiting Videos zwischen 60 und 120 Sekunden liegt. Bei längeren Formaten sinkt die Aufmerksamkeit der Zuschauer deutlich.
Tipps für einen gelungenen Schnitt:
- Beginnen Sie mit einem starken Hook in den ersten 5-10 Sekunden
- Halten Sie das Tempo dynamisch, aber nicht hektisch
- Wechseln Sie zwischen verschiedenen Einstellungsgrößen (Totale, Halbtotale, Nahaufnahmen)
- Setzen Sie Schnitte rhythmisch zur Musik
- Weniger ist mehr – entfernen Sie alles, was nicht zur Kernbotschaft beiträgt
"Ein häufiger Fehler ist, zu viel Material verwenden zu wollen", erklärt Cutter Michael Weber. "Lieber ein prägnantes 90-Sekunden-Video als drei Minuten mit Längen, die niemand zu Ende schaut."
Farbkorrektur und Bildbearbeitung
Eine professionelle Farbkorrektur verleiht Ihrem Video einen einheitlichen Look und unterstreicht die Stimmung. Dabei sollten Sie auf diese Aspekte achten:
- Konsistente Farbtemperatur über alle Szenen hinweg
- Anpassung von Kontrast, Sättigung und Helligkeit
- Entwicklung eines zur Unternehmensmarke passenden Looks
- Nicht übertreiben – natürliche Farben wirken in Recruiting Videos vertrauenswürdiger als stark stilisierte Looks
Viele Unternehmen in Deutschland setzen auf einen klaren, hellen Look, der Offenheit und Transparenz vermittelt. Die Telekom beispielsweise verwendet in ihren Recruiting Videos einen leichten Magenta-Farbstich, der subtil die Markenfarbe aufgreift, ohne unnatürlich zu wirken.
Ton und Musik
Der Ton macht etwa 50% der Wirkung eines Videos aus. Eine sorgfältige Tonbearbeitung umfasst:
- Ausbalancieren der Lautstärke aller Sprachaufnahmen
- Entfernen von Störgeräuschen und Hintergrundlärm
- Hinzufügen passender Hintergrundmusik
- Eventuell Einsatz von Soundeffekten für Übergänge
Bei der Musikauswahl sollten Sie auf Titel setzen, die zur Unternehmenskultur und Zielgruppe passen. Für ein traditionelles Handwerksunternehmen eignet sich andere Musik als für ein junges Tech-Startup. Achten Sie unbedingt auf die Lizenzierung – GEMA-freie Musik finden Sie bei spezialisierten Anbietern wie Epidemic Sound, Artlist oder PremiumBeat.
Grafiken und Untertitel
Grafische Elemente und Untertitel erhöhen die Verständlichkeit und Barrierefreiheit Ihres Videos:
- Einblendung von Namen und Funktionen der sprechenden Personen
- Hervorhebung wichtiger Fakten und Zahlen
- Untertitel für bessere Verständlichkeit (besonders wichtig für internationale Bewerber)
- Einbindung von Unternehmenslogo und Corporate Design
Besonders wichtig: Etwa 85% der Videos in sozialen Medien werden ohne Ton angeschaut. Untertitel sind daher unverzichtbar, um Ihre Botschaft auch in diesem Fall zu vermitteln. Zudem verbessern sie die Barrierefreiheit für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen.
Die Allianz Deutschland setzt in ihren Recruiting Videos konsequent auf Untertitel und erreicht damit nachweislich höhere Engagement-Raten auf LinkedIn und Facebook.
Distribution: Die richtigen Kanäle für maximale Reichweite
Selbst das beste Recruiting Video verfehlt seine Wirkung, wenn es die Zielgruppe nicht erreicht. Eine durchdachte Distributionsstrategie ist daher entscheidend für den Erfolg.
Plattformspezifische Optimierung
Jede Plattform hat ihre eigenen Anforderungen und Besonderheiten. Eine One-Size-Fits-All-Lösung funktioniert selten. Stattdessen sollten Sie Ihr Video für die wichtigsten Kanäle optimieren:
- LinkedIn: Professionelles Format, idealerweise 1-2 Minuten, quadratisches Format (1:1) oder Hochformat (4:5) für bessere Performance im Feed
- XING: In Deutschland nach wie vor relevant, ähnliche Anforderungen wie LinkedIn
- Instagram: Kurze, visuelle Formate (30-60 Sekunden), Hochformat für Stories und Reels (9:16)
- TikTok: Sehr kurze, unterhaltsame Formate (15-60 Sekunden), vertikales Format (9:16), authentischer Stil
- YouTube: Längere, informativere Formate möglich (2-5 Minuten), Querformat (16:9)
- Unternehmenswebsite: Einbettung in die Karriereseite, idealerweise mit ergänzenden Informationen
"Erstellen Sie nicht ein Video und verteilen Sie es überall", rät Social Media Expertin Sabine Müller. "Schneiden Sie lieber verschiedene Versionen für die jeweiligen Plattformen. Ein 3-Minuten-Video für die Website kann als 60-Sekunden-Version für LinkedIn und als 30-Sekunden-Teaser für Instagram aufbereitet werden."
SEO für Recruiting Videos
Damit Ihre Videos in Suchmaschinen gut gefunden werden, sollten Sie diese Aspekte beachten:
- Aussagekräftige Titel mit relevanten Keywords (z.B. "Karriere als Softwareentwickler bei [Unternehmen] in Deutschland")
- Ausführliche Beschreibungen mit natürlicher Keyword-Platzierung
- Relevante Tags und Kategorien
- Transkripte der gesprochenen Inhalte (besonders wichtig für YouTube)
- Einbettung auf der Unternehmenswebsite mit strukturierten Daten
Besonders auf YouTube, der zweitgrößten Suchmaschine weltweit, lohnt sich die Optimierung. Viele Jobsuchende recherchieren dort gezielt nach potenziellen Arbeitgebern.
Paid Promotion
Organische Reichweite hat Grenzen. Mit bezahlter Werbung können Sie Ihre Zielgruppe präzise ansprechen:
- LinkedIn Ads: Ermöglichen präzises Targeting nach Branche, Position, Fähigkeiten und Region
- Facebook/Instagram Ads: Bieten demografisches und interessenbasiertes Targeting
- YouTube Ads: Erreichen potenzielle Bewerber während ihrer Recherche
- Google Ads: Können Videos in Suchergebnissen platzieren
In Deutschland zeigen Studien, dass besonders LinkedIn Ads für die Ansprache von Fachkräften effektiv sind. Laut einer Erhebung des Bundesverbands Digitale Wirtschaft erzielen Recruiting-Kampagnen hier durchschnittlich 3,5-mal höhere Conversion-Raten als auf anderen Plattformen.
Ein Beispiel: Die Technologiefirma Siemens erreichte mit einer gezielten LinkedIn-Kampagne für IT-Spezialisten in Deutschland eine um 47% höhere Bewerbungsrate bei gleichzeitig 23% niedrigeren Kosten pro Bewerbung im Vergleich zu klassischen Stellenbörsen.
Einbindung in den Recruiting-Prozess
Recruiting Videos sollten nicht isoliert stehen, sondern in den gesamten Bewerbungsprozess integriert werden:
- Einbettung in Stellenanzeigen auf der Karrierewebsite
- Versand in Follow-up-E-Mails nach ersten Bewerbungsgesprächen
- Integration in Talent-Pools und Recruiting-Newsletter
- Nutzung durch Recruiter in der direkten Ansprache von passiven Kandidaten
- Bereitstellung für Mitarbeiter zum Teilen in ihren Netzwerken (Employee Advocacy)
"Videos sind nicht nur ein Marketing-Tool, sondern ein integraler Bestandteil des gesamten Recruiting-Prozesses", betont Personalleiter Dr. Thomas Schmidt. "Sie können an verschiedenen Touchpoints eingesetzt werden und unterstützen den Bewerber auf seiner Journey."
Erfolgsmessung: KPIs und Optimierung von Recruiting Videos
Wie bei allen Recruiting-Maßnahmen ist auch bei Videos eine systematische Erfolgsmessung unerlässlich. Nur so können Sie feststellen, ob Ihre Investition sich lohnt und wie Sie Ihre Videos kontinuierlich verbessern können.
Relevante Kennzahlen
Diese KPIs sollten Sie im Blick behalten:
- Reichweite: Anzahl der Personen, die Ihr Video gesehen haben
- Engagement: Likes, Kommentare, Shares
- Abspielrate: Wie viel Prozent des Videos im Durchschnitt anges